Berny’s Fazit

Es war die bislang längste Reise in meinem Leben. Ich bin glücklich, dass ich zweieinhalb Monate lang rund um die USA reisen durfte und Land und Leute intensiver als je zuvor kennenlernen konnte.

Fast 16.000 Meilen, das sind fast 26.000 km. Es war natürlich spannend, oft auch mal aufregend, durch mehrere Zeitzonen, durch mehrere Klimazonen auf dem Motorrad zu reisen. Dort bekommt man ohne Klimaanlage und schützende PKW Hülle Wind, Regen, Hitze und alle Gerüche am ehesten mit. Wobei wir in den ~70 Reisetagen mit 1 1/2 Regentagen bestes Motorradwetter hatten. Uns machte dann eher die Hitze zu schaffen. Bei der Abfahrt heiß und schwül, dann heiß und trocken und zum Schluß wieder heiß und schwül. An der Westküste hatten wir mit kühler Luft und Nebel mit wenig Sicht leider etwas Pech bei der Traumstraße Old No 1 California – that’s life !

An Landschaften haben mir die Apalachen, South Dakota, der Norden der Westküste und Utah am Besten gefallen. Als Fotograf entdeckt man da auch immer wieder neue Motive, auch wenn man schon ein paarmal dort war. Ich schätze mal, dass wir zusammen um die 10.000 Fotos geschossen haben, welche natürlich noch der Aufarbeitung und Sortierung bedürfen. Von den Videostunden der beiden GoPro’s ganz zu schweigen.

Erschreckend für mich waren zum einen die ausgetrockneten Landschaften in der Mitte und im Westen der USA, die bei meinen früheren Reisen noch deutlich grüner waren. Zum anderen, dass eine Vielzahl der 330 Mio Einwohner in ärmlichen Wohnwagen und Mobile Homes wohnen, ganze Ortschaften, Städte dem Verfall überlassen wurden. Ich habe den Eindruck, dass nicht nur ein paar Einwohner schon resigniert haben. Die Hilfsbereitschaft uns gegenüber, bei unseren Pannen, war aber bemerkenswert. Vielen Dank nochmal an die Helfer.

Jetzt noch ein paar Worte zu den Motorrädern. Wir fahren alle seit Jahrzehnten Harleys zu Hause. Über die deutlich zu vielen Defekte hier, waren wir aber schon erschrocken. Es ist müßig zu sagen eine BMW, KTM, Indian … wäre da besser gewesen. Kann sein, aber es gibt nicht so viele, die mit anderen Motorrädern bei der Hitze hier am Stück 26.000 km zurückgelegt haben. Und das Händlernetz für diese Motorräder ist im Falle eines Falles sehr spärlich, das muss man auch berücksichtigen.

Dass bei 4 Freunden in 3 Monaten ständig alles eitel Sonnenschein ist, hat keiner erwartet. Aber irgendwie haben wir uns alle dann wieder zusammengerauft und sind zu viert mit drei Motorrädern gleichzeitig im ‚White House‘ in Cape Coral angekommen. Alle ohne Unfall und gesund, das ist das Wichtigste. Und das vierte Motorrad bringt die Spedition bestimmt auch in den nächsten Wochen nach Florida. Zwei der Motorräder haben inzwischen die Reise nach Europa angetreten und werden dort von Ebbi und Peter in Empfang genommen.

Insgesamt eine unvergessliche Tour mit Höhen und Tiefen, alles andere wäre langweilig gewesen. So – das war’s jetzt mit meinem persönlichen Fazit. Die drei anderen wollen auch noch ein paar Zeilen schreiben. Vielen Dank an die treuen Leser und Kommentarschreiber und Grüße an alle Nichtmitleser – ihr habt was verpasst.

See you on the road – Berny

6 Kommentare

  1. Herzlichen Dank für dein Fazit und die vielen vielen Tageszeilen/Fotos während der letzten 3 Monate, die nach anstrengenden Etappen abends/nächtlich noch zu posten sicher das eine oder andere Mal auch Überwindung gekostet hat. Ich habe eure Tour gerne verfolgt, mich mit euch gefreut, mitgelitten. Nun kommt gut nach Hause. Alles Liebe! Sabine

  2. Der Kaktus

    Moin Berny
    Nette Tour mit vielen Höhepunkten, leider auch einigen Tiefs. Du hast Recht, sowas macht man nur einmal im Leben.
    Freue mich schon, wenn Du einen Reisebericht daraus machst, werde dann bestimmt mal aufschlagen.
    Achja, was hat der Spass denn gekostet? Sortiert nach Sprit, Futter, Motels.

  3. Also Männers – Frauen waren ja nicht dabei (warum?) – das war eine reife Leistung trotz aller veröffentlichten und unveröffentlichten Widrigkeiten. Respekt. Berny, vielen Dank für deine Reiseberichte oder jetzt blogs auf neudeutsch. Die Fotos waren geil. Bei den technischen Problemen hat sich nur meine Meinung bestätigt, dass 2003 die letzten guten Harleys gebaut worden sind. Alle Probleme die ihr hattet ( außer den Reifenpannen) sind keine Einzelfälle und hinlänglich bekannt. Von weiteren bekannten Problemen seid ihr Gott sei Dank verschont geblieben. Bei den 5 Harleys, die Antje und ich in Südafrika fahren, gab es nur Kleinigkeiten wie einen defekten Benzinhahn oder Gabel- und Schalthebeldichtring. Und die bikes sind bei uns teilweise schon deutlich mehr als 26000km in SA gelaufen und haben zwischen 40’km und 100’km auf der Uhr. Hans, du kennst ja den „TC“ mit über 100’km. Warst ja selbst damit schon unterwegs. Der entscheidende Unterschied zu euren US Harleys ist, dass sie alle max Bj. 2003 sind. Und alle bikes sind nach den Touren auf eigenen Rädern nach Hause gekommen! Auf jeden Fall freuen wir uns wenn ihr alle heile zurück seid und über eure Reise detaillierter berichten könnt. Bis bald! Da Reino

  4. Auch ich bin jetzt nach 12000 Meilen und 60 Tagen an meinem Ziel in Arizona angekommen. Hier stelle ich mein Bike unter. Nächstes Jahr geht es dann weiter. Es gibt noch viel zu sehen. Bei mir waren es glaube ich „nur“ 19 Bundesstaaten und Kanada. Bis auf 4 Tage war ich nur alleine unterwegs. Das war meiner Meinung nach die beste Entscheidung. Ich hatte keinerlei Defekte oder Probleme. Das geht also auch mit einer Harley Baujahr 2016. Ein Hinterreifen, ein Vorderreifen, Bremsbeläge hinten um 2 mal Kundendienst. Brems,- und Kuppllungsflüssigkeit wurden auch einmal gewechselt. Es war nicht die längste Reise, aber die mit den meisten Eindrücken meines Lebens. Ohne Stress mit viel Zeit sich etwas anzusehen. Unter anderem einen Tag mit dem Kajak Seeotter und Seelöwen beobachtet. Viele Coole Menschen kennengelernt und Kontakte geknüpft.
    Freue mich schon auf die nächste Tour.
    Schön das alle wieder gesund und unfallfrei an ihrem Ziel angekommen sind.

  5. Liebes Bruderherz. Eine Freude war das – digital mitreisen zu dürfen. Text, Emotion, Ereignisse, Bilder. Schließe mich Sabine an: Vielen Dank für Deine extra Meile der Tages-Zusammenfassungen, die das möglich gemacht haben. Und jetzt – guten Heimflug 🛩️!

  6. Koddel und Christa

    Moin Berny und ebenso Grüsse an Hans, Ebbi und Peter. Auch wir schliessen uns dem Dank für die Mühe, die tollen Fotos und eindrucksvollen Berichte an. Wunderbare, völlig verschiedene Gegenden. Tatsächlich „Ernüchterung“ über die Armut der Bevölkerung und die verlassenen Orte. Da erklärt sich dann auch deutlich die politische Lage in den USA. Jetzt ist aber wichtig, dass Ihr heil und unversehrt den Hurrikan übersteht und bald nach Hause zurückfliegen könnt. Haltet die Ohren steif, Viele Grüße von Koddel und Christa

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